Track 01
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The Girl and the Vampyre
Der Pferdeschwanzträger war nicht allein, sondern unterhielt sich in scheinbar vertrautem Ton mit einem vielleicht sechzehn- oder siebzehnjährigen Mädchen, das ihm kaum bis zur Brust reichte und ein schwarzes T-Shirt, einen gleichfarbigen Minirock (der eigentlich nur ein breiter Gürtel war) und sorgsam zerrissene Netzstrümpfe über einer weißen Strumpfhose trug. Anders als die meisten hier hatte sie ihre Haare nicht schwarz gefärbt, sondern in einem strähnigen Violett, und all ihre Mühe, sich mit totenbleicher Schminke, schwarzem Lippenstift und bitumenähnlichem Mascara zu entstellen, konnte ihre natürliche Schönheit nicht verhehlen.
Vielleicht war es der Anblick des Mädchens, der Connys letzte Zweifel beseitigte. Sie passte einfach zu gut ins Beuteschema des Vampirs: irgendetwas zwischen fünfzehn und siebzehn Jahre alt, hübsch und auf eine Art selbstbewusst, die ihr nichts von ihrer mädchenhaften Ausstrahlung nahm. Und unter dieser Maske schrecklich verwundbar.
Für einen Moment erschien ein knappes dreiviertel Dutzend anderer Gesichter vor ihrem inneren Auge, säuberlich aufgereiht und mit der unbarmherzigen Detailtreue moderner Digitalfotos. Acht bleiche Gesichter, denen man gnädigerweise die Augen geschlossen hatte, damit das Foto den abgrundtiefen Schrecken nicht festhielt, der sich im Angesicht des Todes in ihre Augen gekrallt hatte. Jedes einzelne dieser Gesichter war ebenso bleich und starr gewesen wie das der Kleinen, der der Langhaarige mittlerweile den Arm um die Schulter gelegt hatte, nur dass die Blässe in diesen Gesichtern nicht aufgeschminkt war, sondern nie wieder verschwinden würde.
Eines dieser Gesichter hatte sie gekannt, bevor diese monströsen Fotos entstanden waren…
Ein paar Sekunden lang drohten sie die Erinnerungen zu überwältigen, aber sie drängte die schrecklichen Bilder zurück, auch wenn es ihr wirklich große Mühe bereitete. Sie presste die Kiefer so fest zusammen, dass ihre Zähne knirschten und ein dünner Schmerz bis in ihre linke Schläfe hinaufstieg; schlimm genug, um ihr Tränen in die Augen schießen zu lassen.
Sie blinzelte sie weg, atmete drei oder vier Mal bewusst tief und lang ein und aus und verscheuchte auch noch die letzten Bilder aus ihrem Kopf. Pferdeschwanz hatte inzwischen nicht nur den Arm um die Schulter der Kleinen gelegt, sondern zog sie auch unauffällig zu sich heran. Seine Fingerspitzen spielten an ihrem Hals. Sie schien nichts dagegen zu haben, sondern hatte ganz im Gegenteil den Kopf an seine Schulter gelegt und die Augen halb geschlossen. Ihr Fuß wippte im Takt der hämmernden Bässe. Das alles machte einen so vertrauten Eindruck, dass Conny sich automatisch fragte, ob sie sich vielleicht geirrt hatte, und die beiden alte Freunde waren.
(Unheil, Kapitel 1, S. 22/23)Weiterlesen: » Track 02
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Der Pferdeschwanzträger war nicht allein, sondern unterhielt sich in scheinbar vertrautem Ton mit einem vielleicht sechzehn- oder siebzehnjährigen Mädchen, das ihm kaum bis zur Brust reichte und ein schwarzes T-Shirt, einen gleichfarbigen Minirock (der eigentlich nur ein breiter Gürtel war) und sorgsam zerrissene Netzstrümpfe über einer weißen Strumpfhose trug. Anders als die meisten hier hatte sie ihre Haare nicht schwarz gefärbt, sondern in einem strähnigen Violett, und all ihre Mühe, sich mit totenbleicher Schminke, schwarzem Lippenstift und bitumenähnlichem Mascara zu entstellen, konnte ihre natürliche Schönheit nicht verhehlen.