Track 05
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Silvia Street
Die Luft stand zwischen den Häusern, und ihr war noch nie so deutlich aufgefallen, wie übel die Stadt roch. Nicht nur nach Benzin und Abgasen, sondern nach tausend anderen Dingen, die sie einzeln nicht identifizieren konnte, in ihrer Gesamtheit jedoch äußerst unangenehm waren: Schweiß und schlecht gewordene Lebensmittel, heißen Stein und alte Farbe, Hundedreck und Menschen. Ihr Geruchssinn schien plötzlich mit mindestens doppelter Schärfe zu funktionieren, und auch ihr Gehör malträtierte sie mit einer Vielzahl von Geräuschen, die sie allesamt schon immer gekannt, aber noch niemals als so intensiv und aufdringlich empfunden hatte.
Vielleicht lag es daran, dass sie seit einer Weile nicht mehr rauchte… schließlich behaupteten ja viele ehemalige Raucher, dass ihr Geschmacks- und Geruchssinn deutlich schärfer geworden wäre, nachdem sie ihr Laster aufgegeben hatten.
Aber ihr Gehör?
Außerdem war es zu hell. Die Sonnenbrille, die sie eigentlich nur zur Tarnung aufgesetzt hatte, erwies sich schon bald als ihr wichtigstes Utensil. Selbst durch die dunkel getönten Gläser hindurch stach die Sonne wie mit dünnen glühenden Nadeln in ihre Augen. Alles war gleißend hell, und die Trennlinien zwischen Licht und Schatten erschienen ihr unnatürlich hart; wie mit präzisen Tuschestrichen gezogen.
Sie atmete tief aus und beschleunigte ihre Schritte. Als sie in die Straße einbog, in der Sylvia wohnte, hatte sie plötzlich das fast körperliche Gefühl, beobachtet zu werden. Sie blieb abrupt stehen und drehte sich so schnell auf dem Absatz herum, dass kein noch so professioneller Verfolger eine Chance gehabt hätte, sich noch rechtzeitig in Sicherheit zu bringen.
Aber da war niemand. Die Straße hinter ihr war leer.
Sie ging weiter und sah sich auf dem letzten Stück noch zwei- oder dreimal (unauffälliger) um, und obwohl sie auch jetzt absolut nichts Außergewöhnliches bemerkte, wurde das Gefühl, aus unsichtbaren Augen angestarrt und belauert zu werden eher noch stärker.
(Unheil, Kapitel 10, S. 267 + 268)Weiterlesen: » Track 06
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Die Luft stand zwischen den Häusern, und ihr war noch nie so deutlich aufgefallen, wie übel die Stadt roch. Nicht nur nach Benzin und Abgasen, sondern nach tausend anderen Dingen, die sie einzeln nicht identifizieren konnte, in ihrer Gesamtheit jedoch äußerst unangenehm waren: Schweiß und schlecht gewordene Lebensmittel, heißen Stein und alte Farbe, Hundedreck und Menschen. Ihr Geruchssinn schien plötzlich mit mindestens doppelter Schärfe zu funktionieren, und auch ihr Gehör malträtierte sie mit einer Vielzahl von Geräuschen, die sie allesamt schon immer gekannt, aber noch niemals als so intensiv und aufdringlich empfunden hatte.